Antrag der Fraktion der CDU

Ein Denkmal für die ab Frühjahr 1945 in Berlin geschändeten Frauen

Das Abgeordnetenhaus wolle beschließen:


Abgeordnetenhaus BERLIN
16. Wahlperiode
Drucksache 16/3272

Der Senat wird aufgefordert, bis zum 30.09.2010 ein Konzept zur Errichtung eines Denkmals in Berlin für die ab Frühjahr 1945 von Soldaten der Besatzungsmächte vergewaltigten Frauen zu erstellen.

Begründung:

Der 8. Mai 1945 ist der Tag der deutschen Kapitulation und der Befreiung vom Nationalsozialismus. Von „Sieg oder Niederlage, Befreiung von Unrecht und Fremdherrschaft oder Übertragung zu neuer Abhängigkeit, Teilung, neue Bündnisse, gewaltige Machtverschiebungen“ sprach Richard von Weizsäcker in seiner Rede zum 40. Jahrestag. Alle Menschen, die den 08. Mai 1945 bewußt erlebt haben, verbinden mit ihm sehr persönliche und sehr unterschiedliche Erfahrungen.

Anlässlich des Gedenkens an den 65. Jahrestag am 08. Mai 2010 geriet das Schicksal nach dem Ende des zweiten Weltkrieges der vergewaltigten Frauen zurecht in den Blick der Öffentlichkeit.

Viele deutsche Frauen lebten spätestens seit Beginn des Jahres 1945 in Furcht vor Vergewaltigungen. In den damaligen deutschen Ostgebieten, in vielen anderen Teilen Deutschlands, auch Berlin, vergewaltigten Soldaten der Besatzungsmächte, vor allem der sowjetischen, in den letzten Kriegstagen und danach schätzungsweise über 1,4 Millionen Frauen. In Berlin allein wurden weit über einhunderttausend Frauen Opfer von Vergewaltigungen. Die verlässlichste Schätzung geht von etwa sieben Prozent Vergewaltigungsopfer in Berlin aus, was angesichts von 1,4 bis 1,8 Millionen in Berlin verbliebenen Frauen etwa 100.000 bis 125.000 missbrauchten Berlinerinnen entspricht. Da Vergewaltigungsopfer oft schweigen, ist es abschließend völlig unklar, wie viele Frauen nach Kriegsende wirklich geschändet wurden. Selbst bei den vorsichtigen Schätzungen ist es ein Massenphänomen.

In der Nachkriegszeit wurde das Thema der Schändung von Frauen durch Soldaten der Besatzungsmächte, vor allem der sowjetischen, weggeschwiegen. Ernsthafte Gründe dafür gab und gibt es nicht, Unrecht bleibt Unrecht, ganz gleich von wem ausgeübt. Dieses Weggucken der deutschen Gesellschaft, übrigens auch ihrer Intellektuellen, hat die von der Schändung betroffenen Frauen zusätzlich isoliert, sie gezwungen, mit der ihnen zugefügten Gewalt allein zu sein.

Auch diese Frauen waren Opfer des Krieges, unabhängig von der Tatsache, dass Hitler-Deutschland den schrecklichen Krieg begonnen hat.. Viele durften und konnten über ihr Opferwerden nicht sprechen. Viele wurden nach den Schandtaten ermordet oder nahmen sich selbst das Leben, weil sie mit der Schande nicht leben konnten. Andere litten ein Leben lang, einige leiden noch heute unter den Folgen der Vergewaltigung.

Die Vergewaltigungen waren ein jahrzehntelanges Tabu, dieser Frauen wurde bisher weder öffentlich gedacht, noch an ihr Schicksal erinnert, noch wurde ihnen - soweit überhaupt möglich - Gerechtigkeit zuteil.

Daher hält es die CDU für angemessen, den geschändeten Frauen ein Denkmal in Berlin zu errichten.

Das Konzept ist bis zum 30.09.2010 vorzulegen.

Berlin, den 08. Juni 2010

Henkel Braun Bung Demirbüken-Wegner Görsch Görsch Kroll Seibeld Thamm

und die übrigen Mitglieder der Fraktion der CDU

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