Mündliche Anfragen
zum Thema Schule, Bildung
Sascha Steuer (CDU)
Verheerende Antwort des Senats auf Lehrerprotest
Abgeordnetenhaus BERLIN
16. Wahlperiode
Drucksache 16/20614
Im Namen des Senats von Berlin beantworte ich Ihre nicht erledigte Mündliche Anfrage gemäß § 51 Abs. 5 der Geschäftsordnung des Abgeordnetenhauses wie folgt:
1. Gegen wie viele Lehrerinnen und Lehrer wurden Disziplinarverfahren eingeleitet, weil sie den Vergleichstest VERA nicht mitgeschrieben haben?
Zu 1.: Die Ergebnisse der Vergleichsarbeiten werden von den Lehrkräften auf einer durch das Institut für Schulqualität der Länder Berlin und Brandenburg (ISQ) bereitgestellten Internetseite anonymisiert eingegeben. Die Ergebniseingabe im ISQ-Portal ist bis zum 6. Juni 2010 möglich. Erst dann lässt sich verlässlich feststellen, ob und wenn ja, welche Lehrkräfte den Vergleichstest nicht durchgeführt haben.
Bislang wurden acht Lehrkräfte gemeldet. Im Rahmen der dienstrechtlichen Überprüfung finden zurzeit Verwaltungsermittlungen statt; erst danach wird über die Einleitung eines Disziplinarverfahrens entschieden.
2. Wann wird der Senat endlich eine wissenschaftliche Evaluation der Flexiblen Schulanfangsphase und des DAZ-Unterrichts vornehmen?
Zu 2.: Die Effekte der jahrgangsgemischt organisierten flexiblen Schulanfangsphase wurden seit 1992 in mehreren bundesweiten Modellversuchen (u. a. in Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Bremen, Hessen, Niedersachsen und Thüringen) untersucht. Befunde der Forschungsvorhaben zum jahrgangsübergreifenden Lernen sind im Internet ausführlich dokumentiert und liegen auch als Buchpublikationen vor. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum jahrgangsübergreifenden Lernen werden gleichfalls in der Mitteilung des Senats zur Kenntnisnahme vom 30. Dezember 2008 über „Verlässliche Rahmenbedingungen für die Schulanfangsphase schaffen - Einrichtung jahrgangsgemischter Lerngruppen an allen Grundschulen ab 2008/09 sichern" ausführlich dargelegt.
Bei allen Untersuchungen zeigte sich, dass der Fokus auf die Qualität des Unterrichts in der jeweiligen Klasse zu richten ist. Lernwirksame Effekte des Anfangsunterrichts in den Jahrgangsstufen 1 und 2 im Allgemeinen und des jahrgangsübergreifenden Lernens im Besonderen zeigen sich stets dort, wo Lehrerinnen und Lehrer Inhalte und Ziele des Schriftspracherwerbs und der Mathematik fachlich-didaktisch und pädagogisch kompetent umsetzen.
Nur unter Einbeziehung der Qualität des Unterrichts - also der Qualität der didaktisch-methodischen Gestaltung der Lernangebote und Lernsituationen durch die einzelne Lehrkraft - lassen sich Schlussfolgerungen über Effekte des jahrgangsübergreifenden Lernens für den Lernerfolg von Kindern in der Schulanfangsphase ziehen.
Eine jeweils schulspezifische Betrachtung der Unterrichtsqualität in der Schulanfangsphase, der Fortbildungskonzepte und der Personal- und Organisationsentwick-lung ist durch die Einzelschule im Rahmen schulinterner Evaluation sowie durch die regionale Schulaufsicht im Rahmen der Zielvereinbarungsgespräche mit der Schulleitung zu leisten. Die Ergebnisse einer Schule werden gleichfalls im Rahmen der externen Evaluation durch die Schulinspektion betrachtet.
Aktuell werden in Berlin zwei Evaluationsvorhaben zur Sprachförderung in der Grundschule durchgeführt. Die Praxis schulischer Sprachförderung wird in einer Implementationsstudie dokumentiert. In einer Wirkungsstudie werden die Effekte sprachsystematischer und fachbezogener Sprachförderung untersucht. In diesem Zusammenhang werden auch die Effekte der Sprachförderung in Klassen der Schulanfangsphase untersucht.
Weiterer Untersuchungen bedarf es daher nicht.
Berlin, den 19. Mai 2010
In Vertretung
Claudia Zinke
Senatsverwaltung für Bildung,
Wissenschaft und Forschung
(Eingang beim Abgeordnetenhaus am 26. Mai 2010)




